Raum und Zeit im Naturschutz - Titel

Es geht um mehr als Naturschutz …

Der neue Tagungsband der Nationalpark-Schriftenreihe fasst die Beiträge der hochkarätigen wissenschaftlichen Naturschutztagung 2021 im Kloster Drübeck zusammen

Wernigerode, 22. Februar 2023. 2021 wurde Dr. Uwe Wegener, einer der profiliertesten Harzer Naturschützer und wesentlicher Initiator des Nationalparks Harz, 80 Jahre alt. Zu seinen Ehren fand im Kloster Drübeck eine wissenschaftliche Tagung statt. Die gehaltenen Vorträge sind jetzt in erweiterter Form in der Schriftenreihe des Nationalparks Harz als Band 21 erschienen. Der Tagungsband ist als Druckversion und als kostenlose Downloadversion erhältlich.

Dr. Uwe Wegener ist einer der profiliertesten Harzer Naturschützer und wesentlicher Initiator des Nationalparks Harz. Für seinen überaus engagierten und dauerhaften Einsatz für den Nationalpark Harz wurde er 2021 mit der Ehrenmitgliedschaft der Gesellschaft zur Förderung des Nationalparks Harz e.V. (GFN) ausgezeichnet. Ein erfreulicher Anlass, den nun vorliegenden Schriftenreiheband mit Beiträgen der von Dr. Wegener initiierten Naturschutztagung in Drübeck herauszugeben und gemeinsam mit dem Nationalpark Harz zu veröffentlichen.

Nationalparkleiter Dr. Roland Pietsch eröffnet die Wissenschaftliche Naturschutztagung im Kloster Drübeck Foto: Mandy Gebara
Nationalparkleiter Dr. Roland Pietsch eröffnet die Wissenschaftliche Naturschutztagung im Kloster Drübeck Foto: Mandy Gebara

Obwohl die wissenschaftliche Tagung pandemiebedingt in nur kleinem Rahmen stattfinden konnte, bot sie hochkarätige Vorträge unterschiedlicher fachlicher Couleur und Profile. Zudem war sie eine seltene Gelegenheit zum Austausch mit zahlreichen „Urgesteinen“ und Gründungsvätern der ostdeutschen Nationalparke, denn neben Dr. Wegener waren auch dessen Weggefährten Professor Michael Succow, Dr. Lebrecht Jeschke, Professor Hans Dieter Knapp, Dr. Wolfgang Böhnert und Dr. Lutz Reichhoff vertreten.

Vor mehr als 50 Jahren hatten sie sich in der DDR zusammengefunden, zusammengehalten und für den Schutz der Natur eingesetzt. Die Wendezeit, insbesondere die Schicksalsjahre 1989/90, eröffneten dann erstaunliche Möglichkeiten, die entwickelten Naturschutz-Vorstellungen in das dann geeinte Deutschland zu führen. Mit dem ostdeutschen Nationalparkprogramm konnten zum 1. Oktober 1990 4,5 % des Territoriums der DDR für diese Großschutzgebiete gesichert werden. Die Beiträge der Tagung blicken zurück und voraus. Denn es geht um mehr als nur Naturschutz, es geht auch um Zukunftssicherung der menschlichen Gesellschaft.

Der Tagungsband enthält Beiträge von Prof. Michael Succow, Prof. Hans Dieter Knapp, Sabine Bauling, Dr. Lutz Reichhoff, Dr. Gunter Karste, Caren Pertl, Martin Görner und Dr. Uwe Wegener selbst.

 

Band 21 - Raum und Zeit im Naturschutz - Titelbild
Band 21 – Raum und Zeit im Naturschutz – Titelbild

Aus dem Inhalt:
Michael Succow: Es geht um mehr als nur Naturschutz . . .

Michael Succow hat in Form einer fast 80-jährigen Zeitreihe die Kulturlandschaftsentwicklung insbesondere der Landwirtschaft seiner Heimat in der Uckermark nachempfunden. Er geht von der bäuerlichen Landwirtschaft aus, zeigt den Artenrückgang bei der sozialistischen Großproduktion, der sich unter den heutigen Bedingungen fortsetzt. Das Zeitfenster von 1990 wurde genutzt, um sowohl die wertvollen, landwirtschaftlich geprägten Kulturlandschaften als Biosphärenreservate und Naturparke zu erhalten sowie parallel dazu ein Netz von Nationalparken überwiegend aus der forstlichen Kulturlandschaft, aber auch an den Meeresküsten zu entwickeln. Eindrucksvoll dazu sind die ersten handgezeichneten Kartenskizzen zum Nationalparkprogramm und eine Flächenübersicht aus dem Institut für Landschaftsforschung und Naturschutz vom Frühjahr 1990. Potenziell ist der Nationalpark Harz auf seiner überwiegenden Fläche ein Buchengebiet und wird es auch wieder werden. Der Raum ist vorhanden, die Zeit zur Umwandlung müssen wir dem Nationalpark in seiner Kernzone geben, der Nationalpark sichert auf Dauer ein nutzungsfreies Zeitkontinuum.

 

Hans Dieter Knapp: Buchenwälder in Raum und Zeit – Chancen für den Nationalpark Harz

In seinem Beitrag geht Hans Dieter Knapp auf die Verbreitung der Buchenwälder über Europa hinaus ein. Mit einer bemerkenswerten Bilderserie zeigt er die ökologische und geografische Breite, sowie die Anpassungsfähigkeit der Buchenwälder. Dabei wird gleichzeitig die Verantwortung deutlich, die Deutschland für die Erhaltung der Buchenwälder hat.

 

Sabine Bauling: In Verantwortung für die Buche – Waldentwicklung im Nationalpark Harz

In Sabine Baulings Beitrag kommt zum Ausdruck, dass mittelalte Buchenwälder im Norden und Süden des Nationalparks schon jetzt einen erstaunlichen Anteil haben. Dazu kommen die ältesten Voranbauten der Buche in der Entwicklungszone des Nationalparks, die inzwischen über 30 Jahre alt sind und sich gut entwickelt haben. Nach diesen positiven Beispielen wurden von 2008 bis heute insgesamt 4.000 ha ehemalige Fichtenforste mit Buchen und anderen Laubholzern bepflanzt, was dazu führte, dass die Buchenfläche in diesem kurzen Zeitraum von 15 % (2003) auf 26 % (2021) angewachsen ist.

Lutz Reichhoff: Eichen-Kulturwälder in Raum und Zeit – eine Chance für die Biologische Vielfalt, dargestellt am Beispiel des Hartholzauenwaldes im Mittelelbegebiet

Lutz Reichhoff berichtet über die biologische Vielfalt der Eichen-Kulturwälder der Elbaue in Raum und Zeit. Es ist der für Nationalparke und Biosphärenreservate notwendige Blick in die Geschichte mit den erforderlichen Schlussfolgerungen für die Gegenwart. Die Erhaltung der Biologischen Vielfalt heißt in diesem Fall gezielte pflegerische Eingriffe zu Gunsten der Eiche. Der Prozessschutz führte in der Elbaue zur Förderung von Linde, Bergahorn und Hainbuche. Auf die Problematik der Ausbreitung der Rot-Esche wird eingegangen. Ebenfalls in einem Zeitkontinuum bleiben Eingriffe erhalten, um die Struktur und die Artenvielfalt dieser Waldgesellschaft bewahren zu können.

Gunter Karste: Die Brockenentwicklung im Nationalpark Harz von 1990 bis 2020

Gunter Karste dokumentiert eindrucksvoll die über 30 Jahre währenden Nationalparkbemühungen um die Brockenkuppe. Der Raum war dort immer schon begrenzt, so dass sich häufig Konflikte ergeben haben, die ständig gelöst werden mussten. Es ist absehbar, dass das auch weiter so bleibt. Der Zeitablauf dieser langfristigen Renaturierung des überwiegenden Flächenanteils der Brockenkuppe ist beispiellos und wurde 2020 von der UN-Dekade mit einer Auszeichnung geehrt. Gleichzeitig wird in dieser Darstellung ein Teil der vegetationskundlichen Forschung im Nationalpark dokumentiert.

Caren Pertl: Natur Natur sein lassen – Reaktionen der Vogelwelt im Nationalpark Harz

Caren Pertl setzt die Reihe Forschung mit den Reaktionen der Vogelwelt auf den Klimawandel und das Fichtensterben fort. Sie kann an Hand von charakteristischen Beispielen belegen, wie die Vogelarten auf die gravierenden Veränderungen des Lebensraums zeitlich und in der Fläche reagieren. Dazu stehen langfristige Messreihen zur Verfügung, die in der Zusammenarbeit mit den ehrenamtlichen Ornithologen entstanden sind – eine wirklich spannende Raum-Zeit-Studie.

Martin Görner: Dynamik der Vogelwelt in absterbenden Fichtenbeständen Thüringens

Martin Görner befasst sich in seinem Beitrag ausführlich mit der Herkunft der Baumart Fichte, ihrer historischen und aktuellen Verbreitung. Breiten Raum nimmt die aktuelle Stellung der Fichte im Klimawandel mit ihren Trockenschäden und Schadinsekten ein. Im fünften Teil des Beitrags wird die Anpassung unterschiedlicher Vogelarten an Fichtenwälder und Forste hinsichtlich des Nahrungsspektrums und des Brutplatzangebots mit den derzeitigen und zukünftigen Auswirkungen des Altfichtensterbens diskutiert. Noch gelten die „Fichtenvogel“ als nicht gefährdet, was sich aber schnell ändern kann – ein Phänomen in Raum und Zeit. Zur Erhaltung der Biologischen Vielfalt sollten in den Mischwäldern der Gebirge auch weiterhin Fichtenanteile erhalten bleiben.

Uwe Wegener: Die Bedeutung von Raum und Zeit im Naturschutz, speziell in Nationalparken

Uwe Wegener schließlich blickt zurück auf den Beginn der Nationalparke in Ostdeutschland und die langfristigen Entwicklungen in Eigenzeit und Eigendynamik der Natur im Nationalpark Harz. Er teilt Erkenntnisse und Ergebnisse langfristiger Forschungsprojekte und setzt Raum und Zeit von Natur und Mensch ins Verhältnis.

Der Band 21 der Schriftenreihe des Nationalparks mit dem Titel „Raum und Zeit im Naturschutz – insbesondere in Nationalparken – Tagung 2021 in Drübeck“ umfasst 100 Seiten.


Foto 1: Sommer 2021: Nationalparkleiter Dr. Roland Pietsch eröffnet die Wissenschaftliche Naturschutztagung im Kloster Drübeck, Foto: Mandy Gebara;

Foto 2 Bildunterschrift: Titel des Bandes Nr.1. der Nationalpark-Schriftenreihe, Quelle: Nationalpark Harz, Titelfoto: Dr. Uwe Wegener;